Venedig, die Erhabene Stadt. Als ich die Serenissima zum ersten Mal besuchte, verstand ich dieses Sinnbild sofort.
Wie kaum anderswo auf der Welt lassen sich hier Schönheit, Glanz, Kultur, Geschichte, aber auch Vergänglichkeit zugleich erleben.
Zu diesem Zeitpunkt entstand die Idee, mich intensiv mit Kulturräumen zu befassen:
Wie eng sind Handwerk und Gesellschaft miteinander verbunden, wie agieren Menschen, die einem starken inneren Ruf folgen? Wie wirken Tradition und Hingabe?
Mein Name ist Steve Bauer, ich bin Fotograf. Ich möchte mit meinen Arbeiten genau diese Kulturräume sichtbar machen und lade Sie herzlich ein,
mit mir gemeinsam eine faszinierende Reise zu unternehmen.
Journal
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Das Gold der Sachsen
Hier steht sie, mitten im Blitzlichtgewitter, eingefasst von Samtkordeln und gut gekleideten Menschen, die sich zu ihrer Präsentation eingefunden haben. Trotz ihrer imposanten Größe wirkt die Saxonia unglaublich fragil, was natürlich auch daran liegen mag, dass sie die größte freistehende Porzellanfigur der Welt ist.
Die Schutzpatronin der Sachsen ganz in Weiß, überlebensgroß, mit einem rauschenden Blütenmeer im geschwungenen Kleid und einem erhabenen, regelrecht stolzen Blick.
Ich bin ehrlich beeindruckt. Diese Saxonia ist weit mehr als eine moderne Allegorie; für mich stellt sie einen Höhepunkt der Handwerkskunst dar. Für dieses Projekt erhalte ich einen exklusiven und sehr persönlichen Einblick in die älteste Porzellanmanufaktur Europas. Seit ihrer Gründung durch August den Starken
stehen die gekreuzten Schwerter für eine Tradition, die bis heute Luxus und Exklusivität verkörpert.
Über drei Jahrhunderte Handwerk: Dieses Archiv besteht aus fast einer dreiviertel Million Formen. Alles, was je in der Manufaktur erdacht wurde, ist hier akribisch sortiert und gestapelt. Man kann ohne Übertreibung sagen,
dass dieser riesige Kunstschatz ebenso zur Geschichte Sachsens gehört wie Eierschecke und Semperoper.
Mit feinen Pinselstrichen entstehen filigrane Werke, die weit über Dekoration hinausgehen. Viele Künstlerinnen und Künstler sind bereits seit Jahrzehnten in der Manufaktur tätig und fertigen
hochwertige Arbeiten für den Weltmarkt an.
Traditionsbewusstsein und Moderne: Für die Meißener stellt das keinen Widerspruch dar. Zeitgenössisch‑abstrakte Werke werden gleichwertig präsentiert wie die Arbeiten im barocken Stil.
Die Verbindung über Jahrhunderte der Formgestaltung ist tief in den Genen der Manufaktur verankert.
In dieser Reportage wurde mir bewusst, mit welchem Selbstverständnis und natürlich auch Leidenschaft die Meißener Kunstwerker ihr berühmtes „weißes Gold“ in eine wertvolle Form bringen.
Wirklich jeder Arbeitsschritt muss hundertprozentig sitzen, um die sprichwörtliche Qualität zu gewährleisten. In dieser Mischung aus Erfahrung, Präzision und nicht zuletzt auch
einem leisen Stolz zeigt sich gut, weshalb Meißener Porzellan bis heute als etwas Besonderes gilt.
Für meine Serie stellt dieser Ort ein Paradebeispiel dafür dar, wie selbstverständlich Handwerk und Identität miteinander verbunden sein können.
Die mehrjährige Fotoausstellung „Kulturräume“ fand im Bürgerbüro von MdL Daniela Kuge und Bundesminister a. D. Dr. Thomas de Maizière in Meißen statt.
An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei der Pressestelle der Manufaktur und bei der Landtagsabgeordneten Frau Daniela Kuge für die hervorragende Unterstützung bedanken.
Vorstellung
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Liebe Freunde,
Die Neugier ist eine der stärksten menschlichen Triebfedern, die es gibt. Seit meiner Jugend faszinieren mich besonders die Orte, an denen eine lebendige und authentische Kultur entsteht.
Fotografie ist natürlich ein herausragendes Werkzeug, um die magische Szene festzuhalten oder die tiefe Konzentration eines Künstlers zu transportieren.
Mit meinen Arbeiten möchte ich Ihnen Passionen und Lebenswege zeigen.
Begleiten Sie mich und bewahren auch Sie sich Ihre Neugier!
Herzlich, Ihr Steve Bauer